„Man sollte Mode nicht so ernst nehmen”: Ein Schwede über Mode in Berlin

Fashion Week, Bread And Butter, Bloggerszene, Schwedentrend: Berlin boomt als europäische Modehauptstadt. Marcus Ekroth zog 2006 aus Stockholm nach Berlin, lebt in Kreuzberg und betreibt in Prenzlauer Berg sein Ladengeschäft Pale Blue Eyes. Warum eigentlich?

BRASH.de: Herr Ekroth, was tragen Sie heute?

Marcus Ekroth: Heute bin ich sehr casual, nichts Verrücktes. Ein paar weiße Doc Martens, eine enge schwarze Jeans von Cheap Monday, ein Velour-Karohemd und einen grauen, etwas asymmetrischen Velour-Hoody. Ich trage sozusagen ein komplettes Pale Blue Eyes-Outfit.

Sie verkaufen also das, was Sie selbst gerne tragen. Was für ein Stil ist das?

Gewöhnlich irgendwo zwischen Preppy und Grunge. Manchmal möchte ich total Neunziger aussehen, manchmal möchte ich mich lieber mit einem schönen Hemd kleiden. Sauber und fein, ohne Löcher.

Und das verkauft sich in Deutschland besser als in Schweden? Was sonst brachte Sie von Stockholm nach Berlin?

Wir wollten etwas Neues machen, etwas, das in Berlin und Deutschland noch keiner gemacht hatte. Wir eröffneten Pale Blue Eyes Mitte 2006 und fokussierten uns fast ausschließlich auf skandinavische Labels. In Stockholm oder London wäre das nichts Besonderes. In Berlin aber suchten viele Leute nach einem Laden, der diese Labels führt. Und ja, die Nachfrage steigt.

Ihren Laden betreiben Sie im Stadtteil Prenzlauer Berg. Mittlerweile sind Kreuzberg und Nordneukölln die angesagteren Orte.

Anfangs ging es nur um Kreuzberg und den Prenzlauer Berg. Mitte war und ist zu teuer. Die Wahl fiel uns leicht, da der Mix an Leuten an der Kastanienallee recht bunt ist. Zudem fehlte neben den vielen schönen Cafés ein guter Klamottenladen (lacht).

Der nun nach einem Song von Velvet Underground benannt ist. Warum?

Die Idee hatte mein Geschäftspartner Anders schon in Schweden. Er ist ein großer Velvet Underground-Fan und dies ist ihr bester Song. Und wir alle haben blaue Augen – dachte Anders zumindest, denn als er den Namen unserer dritten Partnerin Anna vorschlug, sah er, dass ihre Augen grün waren. Und das obwohl die beiden vor etwa zehn Jahren ein Paar waren! Darüber hinaus spielen wir natürlich gerne mit dem Klischee, dass alle Schweden blaue Augen haben. 

Es gibt jeden Tag neue Modegeschäfte in Berlin. Warum sollte ich gerade zu Ihnen gehen anstatt zur Konkurrenz?

Wir als Schweden interpretieren die Labels anders, wir kaufen anders ein. Nicht die Marken allein machen den Reiz aus, sondern die Zusammenstellung aller Marken und Modelle.

Und welche dieser Labels sind im Moment besonders angesagt?

Cheap Monday zum Beispiel machen gute Jeans mit schönen Schnitten für einen kleinen Preis. Und das kommt in Berlin an, weil die Leute hier nicht viel Geld haben. Dr. Denim auch. Velour aus Göteborg sind sehr berühmt in Schweden, hier noch nicht. Ich mag das, denn so bleibt unser Angebot exklusiver. Mit Whyszeck haben wir ein konservatives Label, das nur Menswear anbietet und nicht jeden Trend mitmacht, sondern seine Klassiker ständig neu erfindet und saubere Schnitte liefert. Und Schuhe?  Bobby Burns zum Beispiel stellen sehr schöne und adrette Modelle her. Wir hatten früher mehr Sneaker, jetzt wollen wir aber überwiegend klassische, hohe Lederschuhe mit gutem Design anbieten. Mit Our Legacy und Uniforms for the Dedicated übrigens haben wir bereits zwei neue Labels an der Angel. Sie passen perfekt in unser Konzept: neu, unbekannt, schwedisch, Vorreiter in der Fashion-Szene. Wir halten also immer unsere Augen auf und lassen uns nicht einschränken.

So eine Mode hat bestimmt ihren Preis.

Um die 50 Euro sollte eine Jeans kosten, maximal 100 Euro. Wenn du den Cash-Flow hast, kannst du natürlich auch Prada anziehen.

Tragen Ihre Kunden den gleichen Stil wie Sie?

Der Stil unserer Kunden ist ziemlich bunt gemischt: Punk-Rocker, Hemdenträger oder Hipster, die mit ihrem MacBook hier im Cafè nebenan sitzen. Irgendwo zwischen 16 und 35 Jahren liegt wohl der Durchschnitt und teilt sich gleichermaßen auf Männer und Frauen auf. Die meisten Kunden sind in jedem Fall stilbewusst und machen sich viele Gedanken über ihren täglichen Look.

Hat man als Verkäufer Lieblingskunden?

Ich mag es sehr, wenn ich etwas verkauft habe und die Leute mir danach die Hand geben und „Danke für diese Jeans“ sagen. Es macht mich glücklich, wenn sich jemand über seine Hose oder sein Hemd freut, es gerne trägt und damit glücklich ist. Die Leute sollen ihr Geld nicht ausgeben weil sie sich beispielsweise schlecht fühlen, sondern weil ihnen das Kleidungsstück wirklich gefällt.

Kann man die Trends des Jahres bereits auf den Straßen Berlins ablesen?

Was auf den Straßen passiert ist mir recht egal. Natürlich schaue ich mir die Menschen an, aber ich folge meinem eigenen Gefühl und Geschmack. Generell aber habe ich den Eindruck, dass diesen Frühling und Sommer Chinos ganz groß im Kommen sind. Sie wirken sehr relaxt und gemütlich und sehen ziemlich lässig aus wenn man sie ein bisschen hochkrempelt. Ich denke dabei besonders an die klassischen braunen oder beigen Modelle. Die Farben sollten nicht ins Auge stechen und zu auffällig sein, nicht nur bei Hosen, sondern auch bei Oberteilen.  Mehr melancholische  und sanfte Töne. Desweiteren sind Karohemden immernoch sehr aktuell, oder auch Denim-Hemden, gerne auch mit Jeans. Die verwascheneren werden wieder trendy sein. Sie sollten aber „used“ aussehen und nicht so, als ob die Waschung gewollt ist. Ist natürlich nicht so einfach.
 
Gibt es No-Go’s?

Mode sollte niemanden einschränken. Die Leute sollten das anziehen, was sie am glücklichsten macht. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Stil hat und sich wohl fühlt. Trends kommen und gehen. Man sollte Mode nicht so ernst nehmen.

www.paleblueeyes.de

Fotos: BRASH.de
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