Journalistische Glückssuche
Der Herr der Selbstversuche

Zwei Jahre nach seinem oft zitierten Selbstversuch, 40 Tage ohne Internet und Handy zu leben, hat sich Christoph Koch in „Sternhagelglücklich“ die Suche nach dem Glück vorgeknöpft – und somit auch sich selbst.

Man sagt, er wäre schon vor seinem Selbstversuch ein recht ausgeglichener Typ gewesen: Christoph Koch, Autor von 'Sternhagelglücklich' (© Random House / Urban Zintel)

Heere Ziele: Für sein zweites Sachbuch „Sternhagelglücklich“ hat sich der Journalist und Autor Christoph Koch („Ich bin dann mal offline“) nicht weniger als die Frage vorgenommen, die unser aller Dasein antreibt und in Frage stellt: Was ist Glück, und wie kann ich es erreichen und erkennen? Koch ist dafür buchstäblich dahin gegangen, wo es manchmal weh tun kann: Er trieb Sport, spendete Kleingeld in der U-Bahn, versuchte sich im Lachyoga, half ehrenamtlich im Altersheim, besuchte Glückskongresse mit Eckhart von Hirschhausen, unterstützte Sozialprojekte in Detroit, er nahm sogar Psychopharmaka, eine synthetische Nachfolgedroge des einst in Mode gewesenen Stimmungsaufhellers Prozac (natürlich nur unter ärztlicher Aufsicht!).

Auch in die ausschließlich schönen Dinge des Lebens hat er Zeit, Geld und Recherche investiert: Koch hat Schaukeln in der freien Wildbahn aufgehangen, den Weltrekordhalter im Weltrekordhalten beim Weltrekordbrechen begleitet und – das schickt er gleich vorweg –: geheiratet hat er auch.

Dem Sachbuch „Sternhagelglücklich“ kommt bei all seinem Facettenreichtum zugute, dass sein Autor keinen Ratgeber schreiben wollte, sondern ein journalistisch fundiertes Erzählstück im Plauderton. Koch versammelt Interviews, Reisereportagen, Hintergrundrecherche und die eigenen Vorurteile und Gedanken in so kurzweiliger Art und Weise, wie er es als Lifestyle-Journalist für Neon und GQ geübt ist. Die Vermeidung jedweder direkter Ansprache des Lesers („Du/Sie sollten…) ist sein größtes Verdienst: Koch macht sich keineswegs mit Esoterik und ähnlich Abseitigem gemein, sondern erzählt Geschichten aus dem Leben, zitiert entsprechende Fachliteratur (akademisch und philosophisch) am Rande und holt sich Fachmeinungen ein.

Schade ist allein, dass manche Begegnungen mit anderen Glücksuchenden in den Kapiteln zu knapp geraten sind und Stoff für ausführlichere Porträts hergegeben hätten. Aber so ist das mit dem Glück in all seinen Facetten: klar umrissen und greifbar ist es nicht. Die Antwort auf die Frage muss nach der Lektüre denn auch jeder für sich selbst finden, soviel stand schon vorher fest. Aber „Sternhagelglücklich“ verschafft das nötige Bewusstsein – meist für die kleinen und eben doch nicht so selbstverständlichen Dinge im Leben.

Glückssuche ohne Esoterik:

Christoph Koch – „Sternhagelglücklich – Wie ich versuchte, der zufriedenste Mensch der Welt zu werden“ (Blanvalet/Random House), 288 Seiten, 14,99 Euro.

Auch als Hörbuch erschienen und von Jörg Thadeusz gelesen.

www.christoph-koch.net

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